Gefährlicher Wahnsinn Auto – Profil Titelgeschichte

Gefährlicher Wahnsinn Auto.

Ich muss mich jetzt zurückhalten. Der Artikel und das dazugehörende Interview mit dem großartig argumentierenden Hermann Knoflacher würden mich reizen alle guten Argumente und “Sager” (vor allem von Knoflacher) hier aufzuzählen. Aber der Artikel ist online nachzulesen (für die gute Ubersichtsgrafik und das Interview mit Hermann Knoflacher muss man/frau das Profil jedoch käuflich erwerben) und das möchte ich meinen werten LeserInnen ans Herz legen. Hermann Knoflachers Gehzeug ist hier zum nachdenken anzusehen.

Diese Titelgeschichte von Edith Meinhart und Eva Linsinger ist engagiert, analytisch (die Psyche des autofahrenden Volkes) und fundiert.

Das erwähnen einiger – weniger bekannter – Fakten kann ich aber doch nicht lassen:

- 70% des Eisenbahnnetzes stammen aus der Monarchie
- 58% der täglichen Wege erfolgen mit dem Auto (in Wien nur mehr 29% Anm. von mir), jede zweite Strecke ist kürzer als fünf Kilometer, also ideale Fuß- Fahrraddistanz
- langfristig wird sich der Herrschaftsanspruch des Autos nicht aufrecht erhalten lassen. Bereits jetzt leben 5,4 Millionen Menschen in den neun Ballungsräumen in Östereich
- 51% der Einzelhandelsflächen liegen in Gegenden die nur mit dem Auto erreichbar sind (BRD 17%)
- allein die SCS verursacht jährlich 300 Mio Pkw Kilometer pro Jahr
- 174 Mio € (ca 1/5 der Pendlerpauschale) fließt an Menschen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50000€.
- Firmenauto als steuerbegünstigter Gehaltsbestandteil: 2/3 aller neu in Wien angemeldeten Autos sind Firmenautos. Steuerausfall: 600 Mio €/Jahr
- Auto als Melkkuh der Nation: nur 44% der Pkw Verkehrskosten und 36% des LKW Verkehrs sind durch Steuern gedeckt
- drei Millionen Menschen sterben pro Jahr weltweit an den direkten und indirekten Folgen des Verkehrs. In österreich nimmt zwar die Zahl der Unfälle und Toten über das letzte Jahrzehnt ab, die Zahl der Unfälle mit Kindern steigt jedoch
- Biosprit als Alternative: abgesehen von Raumproblemen und Ressourcenverbrauch durch Bau der Pkw, reichen die biospritpotentiale der Erde bereits für den dzt Bedarf nicht aus.
- das Strassenbahnnetz in Wien hatte 1930 318 km, heute ist es 172 km lang (plus 75 U Bahn km)
- Autos stehen bekanntlich 23 h pro Tag. In ganz Wien sind daher 8,4 km² zugeparkt. Das entspricht der Fläche der Bezirke 4-8. Die fehlen für Spielplätze, Schanigärten, Gehwege und Radwege…
- Knolacher rechnet den Platzbedarf aus Kosten für Wohnraum (mehrstöckig) um und kommt auf gerechtfertigte Parkkosten von 800€/Monat
- im 8.Bezirk gibt’s im übrigen den höchsten Anteil von SUV (Sport Utility Vehicle)die alle Normparkplätze im öffentlichen Raum (nicht nur beim schrägparken halb am Gehsteig und Radweg)und in Garagen sprengen. In der Josefstadt gibt’s alles: Straßenbahn, U-Bahn, Autobus, City Bike Stationen, kurze Wege, nur keine Parkplätze
- überhaupt sind fast alle gängigen Automodelle in den letzten Jahren in Breite, Länge und Höhe gewachsen. Aufregung über den Benzinpreis gibts trotz dieser Tendenzen…
Im übrigen: in Bogotá wurde übrigens eine 24 km lange Stadtautobahn in eine Flaniermeile für Fußgänger und Radfahrer umgewandelt.

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3 Responses to Gefährlicher Wahnsinn Auto – Profil Titelgeschichte

  1. Gerhard Lukawetz says:

    Die Auto-Kritik ist ja absolut gerechtfertigt, schließlich müssen wir seit mindestens 60, eigentlich seit 90 Jahren das ganze Land umbauen, um diese Dinger benutzen zu können. Das darf aber nicht darauf vergessen lassen, dass die Eisenbahntechnologie aus dem frühen, die PKW-Technologie aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Das fällt mir, als durchaus Technologie-bewusstem Menschen bei jeder Bahnreise auf. Da muss was Neueres her. Und das muss wirtschaftlich effizienter sein und auch so attraktiv, dass auch wirklich so viel Geld und Libido hineinfließt wie ins Auto, dieses libido-driven vehicle.
    Alles Gute, G.

  2. Manfred says:

    das finde ich einen wunderbaren Ansatz….
    mir geht seit vielen Jahren der Gedanke durch den Kopf, was ein System an Rohrleitungen (dicke Rohrpost sozusagen, Förderbänder?) bringen könnte, mit dem ein Großteil der Güter direkt in Häuser und sogar Wohnungen zugestellt werden. Dann wären die Güter wenigstens nicht mehr mit PKW,LKW zu transportieren. Die meisten Menschen sind eh beweglich und haben dann zumindest weniger Ausreden.

    Aber primär denke ich müssen wir nicht nur technisch in Alternativen denken. Wenn Stadt- und Raumplanung auf kurze Wege und Nahversorgung rücksicht nehmen und umfassend in Richtung Reduktion des Verkehrsaufkommens gedacht wird, dann kommen wir schon ein Stück weiter.

    Mit meiner persönlicher Alternative (Mix von vor allem Fahrrad – Liegetrike, wenn sinnvoll Öffis und ab und an ein Taxi ode Carsharing) bin ich persönlich sehr glücklich (Bewegung, Schnelligkeit, Fahrtwind…) und auch ökologisch vernünftig unterwegs.

  3. Manfred says:

    diese Woche im Ö 1 Radiokollege:

    http://oe1.orf.at/programm/303713
    Radiokolleg – Zukunft auf Schiene?

    Der Zug ins 21. Jahrhundert (1). Gestaltung: Paul Lohberger

    Dienstag bis Donnerstag, jeweils am morgen um 9h30 und nach 22h, sowie 7 Tage zum nachhören.

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